Für Artenvielfalt und für Bauern

Die Aktionsbündnisse zum Volksbegehren „Rettet die Bienen – für Artenvielfalt“ im Verbreitungsgebiet der Mindelheimer Zeitung nehmen Stellung zum Artikel „Die Bauern kritisieren das Bienen-Volksbegehren“.

Die Lage der heimischen Bauern ist seit Jahren schwierig und es ist gut zu verstehen, dass sie weitere Einschränkungen fürchten. Ein wirksamer Naturschutz ist nur zusammen mit der Landwirtschaft möglich. So ist es erfreulich, dass die Bauern die grundsätzlichen Ziele ebenfalls befürworten. Es geht bei dem Volksbegehren aber um viel als nur die Bienen, nämlich um den Erhalt einer Artenvielfalt bei Pflanzen, Insekten, Vögeln und Kleinsäuger, die derzeit massiv schwindet. Um die Herausforderungen des Klimawandels meistern zu können, werden wir diese Vielfalt brauchen und so geht bei dem Volksbegehren letztendlich nicht nur um Natur, sondern um unsere Lebensgrundlage für künftige Generationen.In das Eigentum der Bauern soll nicht eingegriffen werden. Das Volksbegehren nimmt vorrangig den Freistaat in die Pflicht, nicht den einzelnen Landwirt. Es gibt für den einzelnen Landwirt weder eine generelle Vorgabe, dass später gemäht werden muss, noch, dass Ökolandbau betrieben oder einbestimmter Anteil der Betriebsfläche umgewandelt werden müssen. Vielmehr sollen bestimmteAnteile der Landesfläche so bewirtschaftet werden und hierzu muss der Freistaat Bayern sorgen und dazu konkrete Umsetzungen erarbeiten. Wir gehen davon aus, dass hierzu Förderprogramme und Ausgleichsleistungen geschaffen werden. Das konnte in das Volksbegehren aber nicht ausdrücklich aufgenommen werden, weil Volksbegehren nur Zielvorgaben machen darf, aber weder in den Haushalt oder die Gestaltungsspielraum der Politik eingreifen darf. Solche Förderprogramme sind eine Chance für die Landwirtschaft, auch ohne ständigen Preisdruck und Zwang zum Wachstum von seinem Grund leben zu können. In Österreich, wo die bäuerlichenStrukturen sehr ähnlich sind, wie in Bayern, funktioniert das bestens mit einem Anteil von 27 % Ökolandbau. Ganz offensichtlich ist sehr wohl ein Markt für mehr ökologisch erzeugte Warevorhanden, selbst Discounter bieten diese Linien längst an und bei den Verbrauchern gibt es einen Sinneswandel: Öko ist nicht mehr Nische, sondern modern und zeitgemäß. Im Gegensatz zu einseitigen Kampagnen, die Landwirte an den Pranger stellten, geht es demVolksbegehren gerade darum, Artenschutz zu fördern und den Landwirten neue Perspektiven aufzuzeigen. Die Bauern haben recht, dass jeder Landwirt Pflanzenschutzmittel sorgsamer handhabt, als das in vielen Gärten geschieht. Auch eine Reduktion im privaten Garten muss angegangen werden. Großflächig wird Pflanzenschutz im Grünland aber ohnehin nicht eingesetzt und Ausnahmen in Extremsituationen sieht der Gesetzesentwurf des Volksbegehrens ausdrücklich vor. Ein paar wenige Dinge verlangt das Volksbegehren von den Bauern schon, die aber zumutbar sind, z. B. die Gewässerschutzstreifen von 5 Metern. Bayern ist das einzige Bundesland, das eine solche Regelung noch nicht hat, in allen anderen Bundesländern müssen diese Streifen an Gewässern bleiben. Außerdem halten die meisten Bauern ohnehin schon einen Abstand ein. Mit diesen Streifen wird eine Vernetzung der einzelnen Biotope flächendeckend erreicht. Die Isolation der Biotope bedeutet nämliche genetische Verarmung und stellt eine große Gefahr für die Artenvielfalt dar. Eine weitere Forderung ist, dass von innen nach außen gemäht wird. Durch das Mähen von außen werden Wildtiere, die sich im Grünland aufhalten eingekreist und fliehen nach innen, wo es kein Entrinnen gibt. Wird die Mahd in der Mitte begonnen oder strikt von einer Seite gemäht, könen die Tiere in die Nachbarflächen ausweichen. Ab Donnerstag sind die Rathäuser geöffnet und möglichst viele Leute sollten sich eintragen für den Erhalt des Restes an Artenvielfalt und für eine breitere Zukunft für die Bauern. Nicht umsonst unterstützt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft das Volksbegehren ebenfalls.


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